Christo
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Textauszüge
(Quelle: www.wikipedia.de):
Christo
Christo wurde am 13. Juni 1935 als Christo Vladimirov Javacheff
in Gabrovo, Bulgarien geboren. Sein Vater, Vladimir Yavachev
(zur unterschiedlichen Schreibweise des Namens Yavachev:
alle Mitglieder der Familie Christo haben ihren Namen in
dieser Weise vom Kyrillischen ins Lateinische umgeschrieben;
bis auf Christo und Jeanne-Claude - sie heißen Javacheff),
ein Wissenschaftler, und seine Mutter, Tzveta Dimitrova,
eine ehemalige Sekretärin an der Akademie der schönen
Künste in Sofia, heirateten 1930 und bekamen drei Kinder:
Anani, Christo und Stefan.
Mit
sechs Jahren erhielt Christo seine ersten Zeichen- und Malstunden.
Häufig besuchten Künstler der Akademie die Yavachevs
und unterrichteten Christo, dessen künstlerisches Talent
früh bemerkt wurde.
1944
marschierte die Rote Armee in Bulgarien ein und eine kommunistische
Regierung wurde eingerichtet. Christo hegte eine Vorliebe
für das Theater und inszenierte in seiner Jugend Stücke
von William Shakespeare. Hierbei wurde sein organisatorisches
Talent deutlich. Christo wünschte sich an der Akademie
der schönen Künste aufgenommen zu werden. Dies
gelang ihm 1953, doch er war enttäuscht, da von der
kommunistischen Partei ein sozialistischer Lehrplan vorgegeben
wurde und Christo sich nicht entfalten konnte.
1956
besuchte er Verwandte in der Tschechoslowakei und entschloss
sich Anfang 1957 zu fliehen. In Wien wurde er bei Freunden
seines Vaters aufgenommen, doch er war aufgrund seiner Flucht
staatenlos geworden. Nach einem Semester an der Wiener Akademie
der schönen Künste und einem Aufenthalt in Genf
ging Christo schließlich nach Paris.
Christo
lebte in ständiger finanzieller Not und verdiente sein
Geld durch Porträtmalerei. Er besuchte viele Ausstellungen
und Museen, wurde inspiriert von Joan Miró, Nicholas
de Staël, Jean Fautrier, Antoni Tàpies und vor
allem von Jean Dubuffet. Im Januar 1958 verhüllte Christo
seine erste Farbdose, indem er sie mit harzgetränkter
Leinwand umgab, verschnürte und mit mit Leim, Sand
und Autolack behandelte. Christo kennt den Grund für
seine ersten Verhüllungen nicht. In gewisser Hinsicht
spiegeln sie sein Selbstbild wider: Das Gefühl kultureller
Isolierung, Traurigkeit und Armut. Christo war fasziniert
von Paris und genoss seine Freiheit. Er mietete sich ein
kleines Atelier und setzte das Arbeiten an seinen Verhüllungen
fort (Inventory Reihe).
Christo
verdiente weiterhin nur wenig Geld mit seinen Porträtmalereien,
die er als Prostitution bezeichnete. Später lernte
er den deutschen Unternehmer Dieter Rosenkranz kennen, der
einige seiner Verhüllungen kaufte. Als Christo Dieter
Rosenkranz in Deutschland besuchte, schloss er Bekanntschaften
mit einigen Künstlern, unter anderem Yves Klein. Außerdem
lernte Christo den Kunsthistoriker Pierre Restany kennen.
Seine Verhüllungen wurden von vielen Künstlern
verkannt. Christo lebte noch immer in finanzieller Not und
gesellschaftlicher Isolierung und hatte zudem Schwierigkeiten
mit der französischen Sprache.
Jeanne-Claude
Jeanne-Claude wurde am selben Tag wie Christo, dem 13. Juni
1935 in Casablanca geboren. Ihre 17-jährige Mutter
Precilda und ihr Vater, Major Leon Denat, die aufgrund der
Minderjährigkeit von Precilda ungesetzlich heiraten,
trennen sich kurz nach der Geburt von Jeanne-Claude. Diese
wuchs in gestörten Familienverhältnissen auf,
da ihre Mutter Precilda weitere drei Mal heiratete und sich
während des Zweiten Weltkriegs bei den Freien Franzosen
meldete und sich somit wenig um ihre Tochter kümmern
konnte.
Jeanne-Claude
wuchs deshalb zu einem großen Teil bei der Familie
ihres Vaters auf, die sie schlecht behandelte. Als Precilda
1945 nach dem Krieg ihre zehnjährige Tochter abholte,
war diese völlig verstört und unterernährt.
Precilda baute ihre Tochter wieder auf, Jeanne-Claude erhielt
von nun an eine gute, strenge aber herzliche Erziehung,
eine gute Bildung und ein wohlhabendes Leben. 1946 heiratete
Precilda den einflussreichen General Jaques de Guillebon.
Zwischen 1945 und 1952 wohnte die Familie in Paris, zwischen
1952 und 1957 aus beruflichen Gründen von Jaques de
Guillebon in Tunesien und ab 1957 wieder in Paris. Jeanne-Claude
lebte in einer privilegierten Gesellschaft, ging auf viele
Feiern und wurde von vielen Männern umworben. Sie erhielt
einen Schulabschluss mit Auszeichnung und begann eine Ausbildung
als Flugbegleiterin bei Air France.
Das Künstlerpaar
Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-ClaudeIm Oktober
1958 erhielt Christo einen Auftrag für ein Porträt
von Precilda de Guillebon. Christo und Jeanne-Claude sahen
sich dadurch zum ersten Mal. Jeanne-Claude war im Gegensatz
zu ihrer Mutter am Anfang nicht sehr begeistert von Christo.
Doch ihrer Mutter gefielen die Porträts und sie erteilte
Christo weitere Aufträge. Bald lernten sich Christo
und Jeanne-Claude näher kennen und er erteilte ihr
Lehrstunden in Kunstgeschichte, sie dagegen lehrte ihn ein
besseres Französisch zu sprechen. Christo arbeitete
indessen an seinen Verhüllungen weiter. Christo freundete
sich mit Jeanne-Claudes Halbschwester Joyce an und verliebte
sich in sie. Jeanne-Claude verlobte sich unterdessen mit
ihrem Freund Philippe Planchon. Einen Monat vor der Heirat,
nachdem sich Christo und Joyce trennten, verliebten sich
Christo und Jeanne-Claude ineinander, doch die Heirat mit
Philippe fand statt. Nach den Flitterwochen trennte sich
die von Christo schwangere Jeanne-Claude von ihrem Ehemann.
Zunächst verheimlichte sie ihre Schwangerschaft.
1959
widmete sich Christo mehr denn je seinen Verhüllungen,
aber er änderte seinen Stil. Er beließ das Material
so wie es ist und behandelte es nicht mehr mit Leim und
Sand. 1960 ließ er dann jegliche Bemalung weg und
beendete somit seine Inventory Reihe. Seine Verhüllungen
waren eine "Offenbarung durch Verbergen" (David
Bourdon). Während sich die meisten Künstler die
Unsterblichkeit erhofften, betonte Christo die Sterblichkeit
durch seine vergänglichen Werke. Im Herbst besuchten
Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely das Atelier von Christo.
Christo schloss immer mehr Bekanntschaften mit immer mehr
Künstlern. Die Liebe zwischen Christo und Jeanne-Claude
war noch immer heimlich und am 11. Mai 1960 wurde ihr Sohn
Cyril geboren. Als Jeanne-Claudes Eltern die Liebesaffäre
bemerkten waren sie entrüstet, da Christo aus niederen
Verhältnissen stammte und entsagten dem Paar jegliche
finanzielle Unterstützung, so dass sie in Armut leben
mussten, was für Christo allerdings kein neuer Umstand
war.
1961
realisierten Christo und Jeanne-Claude ihr erstes gemeinsames
Projekt, indem sie im Kölner Hafen zahlreiche vorgefundene
Fässerstapel verhüllten. Die Eltern von Jeanne-Claude
begannen sich langsam mit ihrer Tochter auszusöhnen
und interessierten sich für ihr Enkelkind. Das Paar
nahm 1962 das erste monumentale Projekt, den "Eisernen
Vorhang - Mauer aus Ölfässern", in Angriff.
Hierbei wurde eine Seitenstraße an der Seine, die
Rue Visconti, durch hoch aufgestapelte Ölfässer
versperrt. Sie kommentierten damit den Bau der Berliner
Mauer, überließen die Interpretation allerdings
dem Betrachter. Trotz einiger Probleme mit den Behörden
stapelte das Paar ohne eine Genehmigung am 27. Juni die
Ölfässer aufeinander. Jeanne-Claude konnte die
heranrückenden Polizisten hinhalten und davon überzeugen,
die Fässer für einige Stunden stehen zu lassen.
Anwohner und Verkehrsteilnehmer waren empört und verärgert.
Am 28. November 1962 heirateten Christo und Jeanne-Claude.
Sie waren immer noch sehr arm, aber sparten Geld für
eine Fahrt nach New York, weil sich das Kunstzentrum zunehmend
von Paris nach New York verlagerte.
Neue Ufer
Im Februar 1964 kamen Christo und Jeanne-Claude in New York
an. Nach einer kurzen Rückkehr nach Europa verlagerten
die Christos ihren Wohnsitz im September endgültig
nach Amerika. Christo stellte in einigen bekannten Galerien
aus, unter anderem bei Castelli in New York und Schmela
in Düsseldorf. Christo und Jeanne-Claude hatten anfängliche
Schwierigkeiten, sich im neuen Land einzuleben. Es bestanden
Sprachbarrieren, sie waren verschuldet und hatten noch keine
Wohnung. Nach langer Suche fanden sie eine heruntergekommene
Bleibe, die sie zwei Monate lang renovieren mussten, was
dazu führte, dass der Schuldenberg weiter anwuchs.
Christo begann im selben Jahr maßstabsgeträue
Ladenfronten herzustellen, deren Fenster er mit Stoffen
oder Papieren verhängte und somit den Blick ins Innere
negierte. Das nächste größere Projekt war
ein riesiges 1.200 Kubikmeter fassendes Luftpaket, das 1966
mit Hilfe von begeisterten Studenten realisiert wurde. 1967
besuchten die Eltern von Jeanne-Claude und Christos Vater
das Paar in deren Wohnung.
Projekte
5.600 Kubikmeter Paket
1968 bekamen Christo und Jeanne-Claude die Möglichkeit
zu einer Teilnahme an der documenta 4 in Kassel. Ihr Beitrag
bestand aus einem Paket mit einem Volumen von 5.600 Kubikmetern.
Die ersten Versuche, das längliche Paket mit Kränen
(den beiden größten Europas) aufzurichten, schlugen
jedoch fehl, da die Haut aus Polyethylen beim Anheben platzte.
Nach mehrfachen Reparaturen und schließlich dem vollständigen
Austausch der Hülle konnte das Projekt verwirklicht
werden. Das Paket stand zwei Monate lang und kostete Christo
und Jeanne-Claude 70.000 Dollar, die sie mit viel Mühe
selbst aufbrachten.
Verhüllte Küste
Ende des Jahres 1969 verhüllten Jeanne-Claude und Christo
eine Küste in Australien, mit Hilfe von 130 Helfern
die insgesamt 17.000 Arbeitsstunden investierten. Es wurden
93.000 m² Synthetikgewebe und 56 km Seil verlegt. Nach
anfänglichen Widerständen der Behörden und
der Öffentlichkeit waren die Reaktionen nach der Fertigstellung
des Projekts weitgehend positiv. Christo und Jeanne-Claude
waren ein perfektes Team und ergänzten sich hervorragend.
Christo hatte große künstlerische Fertigkeiten
und Jeanne-Claude ein sehr gutes organisatorisches Talent,
trotzdem entschieden sie alles gemeinsam, sowohl im künstlerischen
als auch organisatorischen Bereich.
Valley Curtain
Ende des Jahres 1970 begannen Christo und Jeanne-Claude
mit den Vorbereitungen für das Projekt "Valley
Curtain". Dabei sollte ein Vorhang durch ein 400 m
breits Tal der Rocky Mountains in Colorado gespannt werden.
Es gab einige Probleme mit der Beschaffung der Genehmigung
für das Projekt, mit Umweltschützern und der Finanzierung
des geplanten Budgets von 230.000 Dollar. Das 13.000 m²
große Tuch sollte an einem Stahlseil aufgehängt
werden, das mit Hilfe von Betonfundamenten an den Hängen
verankert werden sollte.
Jeweils
200 Tonnen Beton mussten manuell in Eimern auf jeden Hang
getragen werden. Der Etat erhöhte sich auf 400.000
Dollar und die Christos bekamen wieder einmal Probleme mit
der Finanzierung. Sie konnten schließlich genug Kunstwerke
verkaufen, um das Geld aufzubringen. Am 10. Oktober 1971
konnte der orange gefärbte Vorhang aufgehängt
werden. Doch der Versuch misslang, da der Vorhang von Wind
und Felsen zerfetzt wurde (der deutsche Fotograph Wolfgang
Volz hatte gerade noch ein Bild machen können). Voller
Enttäuschung entschloss sich das Künstlerpaar
einen neuen Vorhang herstellen zu lassen und es nochmals
zu versuchen. Währenddessen erhielt Christo eine Postkarte
eines Berliner Architekten, mit dem Vorschlag, den Berliner
Reichstag zu verhüllen. Bereits 1961 hatte Christo
die Idee zur Verhüllung eines öffentliches Gebäudes,
namentlich eines Parlaments. Christo gefiel die Idee und
er setzte sich damit auseinander. Am 10. August 1972 gelang
dann der zweite Versuch, den Vorhang zu installieren, doch
nur 28 Stunden später musste er aufgrund eines Sturms,
der sich mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h näherte,
wieder abgebaut werden. Christo und Jeanne-Claude waren
dennoch mehr als zufrieden.
Running Fence
1973 erhielt Christo nach 17-jähriger Staatenlosigkeit
die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Außerdem
begannen im selben Jahr die Vorbereitungen für "Running
Fence", einem von Stahlpfosten und Stahlseilen getragenen,
5,5 m hohen Zaun aus Stoffbahnen, der 40 km durch die kalifornische
Landschaft verlaufen und schließlich im Meer münden
sollte. Für das Projekt mussten die Landarbeiter überzeugt
und die Genehmigungen von den Behörden eingeholt werden.
Dafür engagierten Christo und Jeanne-Claude neun Anwälte.
Ende 1974 steckte Christo den Verlauf des Zauns mit Holzpfählen
ab.
Erst
am 29. April 1976 begannen die Arbeiten nach einem langen
Kampf gegen die Bürokratie. Es wurden 160.000 m²
Nylongewebe, 2.050 Stahlpfähle und 145 km Stahlkabel
benötigt. Am 10. September war das Werk fertig gestellt.
Christo und Jeanne-Claude mussten 60.000 US-Dollar Bußgeld
zahlen, da ihnen eine Genehmigung für die Küstenregion
fehlte.
Verhüllte Parkwege
1977 beschäftigten sich Christo und Jeanne Claude mit
der Rückfinanzierung der Kredite und dem Sparen von
Geld. Außerdem planten sie zukünftige Projekte,
wie die Verhüllung des Reichstags, des Pont Neufs in
Paris, sowie den "Wrapped Walk Ways", einer Verhüllung
von Fußwegen im Loose Park in Kansas City.
Im
November traf Christo seine Eltern und damit seine Mutter
zum ersten Mal seit 20 Jahren. Bei "Wrapped Walk Ways"
verhüllen Christo und Jeanne-Claude 4,5 km der Fußwege
des Parks. Insgesamt wurden dafür 12.500 m² safrangelb
schimmerndes Nylongewebe benötigt. Die Fußgänger
erfreuten sich zwei Wochen im Oktober an dem Kunstwerk.
Die Kosten beliefen sich auf 130.000 Dollar.
Von
1979 bis 1981 beschäftigte sich das Kunstpaar mit einigen
Projekten, von denen viele nicht realisiert werden können,
unter anderem die Mastaba von Abu Dhabi, ein Projekt in
den Vereinigten Arabischen Emiraten, bei dem Ölfässer
bis in eine Höhe von 150 m gestapelt werden sollten.
Surrounded Islands
Am 27. April 1982 starb Christos Mutter. Seit 1980 planten
die Christos ein Projekt nach Jeanne-Claudes Idee, bei dem
11 Inseln in Miami von schwimmendem, pinkfarbenem Polypropylengewebe
umsäumt werden sollten. Es wurden dafür 603.850
m² Polypropylen benötigt, welches mit Ankern befestigt
wurde. Während der Arbeiten 1983 starb auch Christos
Vater. Das Kunstwerk wurde am 7. Mai mit Hilfe von 500 Helfern
fertiggestellt und war zwei Wochen lang zu bewundern.
Verhüllte Pont Neuf
Am 14. März 1984 erhielt auch Jeanne-Claude die US-amerikanische
Staatsbürgerschaft, durfte ihren französischen
Pass aber behalten. Im August erhielt das Künstlerpaar
die Genehmigung für die Verhüllung des Pont Neuf
nach neunjährigen Verhandlungen mit dem Bürgermeister
von Paris, Jacques Chirac. Im Dezember starb Jeanne-Claudes
Stiefvater Jacques de Guillebon. Für die Verhüllung
der ältesten Brücke in Paris wurden 40.000 m²
sandfarbenes Polyamidgewebe benötigt. Die Verhüllung
begann am 25. August 1985 und wurde am 22. September beendet.
In den nächsten zwei Wochen besuchten rund drei Millionen
Menschen das Projekt.
The
Umbrellas
Stoffmuster vom Projekt "The Umbrellas"1986 ließ
sich Jeanne-Claude ihre Haare rot färben. Christo und
Jeanne-Claude bereiteten sich auf das Projekt "Umbrellas"
vor, bei dem zeitgleich in Kalifornien und Japan gelbe und
blaue Schirme aufgestellt werden sollten.
Im
Dezember 1990 wurden nach langer Vorbereitungszeit die ersten
Sockel für die Schirme verlegt. An den Sockeln waren
80 cm lange Anker befestigt, die im Boden verankert wurden
und Zugkräften von 1.500 kg standhalten sollten. Die
Sockel wurden mit Helikoptern transportiert, um das Land
nicht zu zerstören. Die Kosten für das Projekt
beliefen sich auf 26 Millionen Dollar. Im September 1991
wurden die Schirme von insgesamt 1.880 Helfern auf ihre
Plätze gebracht.
Am
7. September wurden 1.340 blauen Schirme in Ibraki und die
1.760 gelben Schirme in Kalifornien aufgestellt und am 9.
September geöffnet. Insgesamt besichtigten drei Millionen
Besucher die 6 m hohen und im Durchmesser 8,66 m fassenden
Schirme. Während des Projekts kamen zwei Menschen ums
Leben. Eine Frau wurde nach einem Windstoß von einem
Schirm erschlagen und ein Mann kam bei den Arbeiten mit
einem Hochspannungsdraht in Berührung.
Verhüllter Reichstag
Stoffmuster vom Projekt "Wrapped Reichstag"Nach
dem Projekt "Umbrellas" beschäftigten sich
Jeanne-Claude und Christo mit der Verhüllung des Reichstags
in Berlin. Mit der Unterstützung der Bundestagspräsidentin
Rita Süssmuth leisteten die Christos Überzeugungsarbeit
bei den Abgeordneten des Bundestags, gingen von Büro
zu Büro und schrieben an alle 662 Abgeordneten briefliche
Erläuterungen. Außerdem führten sie unzählige
Telefonate und Verhandlungen. Prominenteste Gegner der Verhüllung
waren Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble.
Am
25. Februar 1994 stimmte der Bundestag nach längerer
und teils sehr emotional geführter Debatte in namentlicher
Abstimmung über das Projekt ab und befürwortete
es mit 292 Ja-Stimmen (bei 223 Nein-Stimmen, 9 Enthaltungen
und einer ungültigen Stimme). Das Künstlerpaar
begann nun mit der Arbeit. Es wurden über 100.000 m²
feuerfestes Polypropylengewebe, das mit einer Aluminiumschicht
überzogen wurde, und 15.000 m Seil benötigt. Die
Verhüllung begann am 17. Juni 1995 und wurde am 24.
Juni abgeschlossen. Bei der Montage beteiligen sich 90 professionelle
Kletterer und viele weitere Helfer. Der Abbau fand am 7.
Juli statt. Während der Aktion sahen fünf Millionen
Besucher das Spektakel.
Verhüllte Bäume
Nach 32 Jahren Vorarbeit verhüllten Christo und Jeanne-Claude
zwischen dem 13. November und 14. Dezember 1998 in Riehen
nordöstlich von Basel im Berower Park der Fondation
Beyeler 178 Bäume.
Als
Verhüllungsmaterial verwendete das Künstlerehepaar
55.000 qm silber-grau schimmerndes Polyestergewebe und 23
km Seil. Für jeden einzelnen Baum wurde hierfür
ein extra Schnittmuster angefertigt. Die natürliche
Form der Äste drückte dabei das Gewebe nach außen
und zauberte so individuelle Formen in den Himmel. Die Höhe
der Konstruktionen variierte dabei zwischen 2,0 m und 25,0
m, die Breite zwischen 1,0 m und knapp 15,0 m.
Wie
auch bei ihren anderen Projekten finanzierten Christo und
Jeanne-Claude ihr Werk nur durch den Verkauf von Originalwerken.
Alle Materialen wurden nach dem Abbau recycelt.
The Gates
Christo und Jeanne-Claude, The Gates, Central Park, New
York City, 1979-2005Vom 12. bis 28. Februar 2005 wurden
auf den Wegen des Central Park in New York City insgesamt
7.503 Tore aufgestellt, von denen safrangelbe Stoffbahnen
herabhingen. Die Tore waren jeweils fünf Meter hoch
und verteilen sich auf eine Gesamtstrecke von 37 Kilometern.
Die
Kosten für das Projekt beliefen sich auf 21 Millionen
US-Dollar, die vollständig von Christo und Jeanne-Claude
durch den Verkauf von Studien, Zeichnungen, Collagen, Werken
aus den 50er- und 60er-Jahren sowie Originallitographien
anderer Werke bezahlt wurden.
Sie
akzeptierten wie bei allen Projekten keinerlei Sponsorengelder
und auch die Stadt New York musste kein Geld für das
Projekt beitragen. Zudem haben Christo und Jeanne-Claude
sämtliche Einnahmen am Verkauf von Souvenirs wie Postkarten,
T-Shirts, Poster etc. an die Naturschutzorganisation "Nurture
New York's Nature Inc." abgetreten. Um Vandalismus
zu vermeiden, verteilten rund 600 bezahlte Helfer 1.000.000
7 x 7 cm große Stücke des für das Projekt
verwendeten Stoffes kostenlos an die Besucher.
Das
Genehmigungsverfahren für dieses Kunstwerk lief seit
1980. Erst durch den neuen Bürgermeister New Yorks,
Michael R. Bloomberg, konnte es realisiert werden.
Vorläufer
Bereits 1920 verhüllte und verschnürte der Surrealist,
Maler, Fotograf und Objektkünstler Man Ray eine Nähmaschine
und nannte das Kunstwerk "Das Rätsel des Isidore
Ducasse". Allerdings blieb das verhüllte Objekt
im Werk Man Rays ein Einzelfall, der den Gegenstand durch
das Verhüllen mystifizieren wollte, was bei Christo
nicht der Fall war.
Die wichtigsten Werke in deutscher Übersetzung
1961 "Gestapelte Ölfässer und Verhüllungen
im Hafen", Kölner Hafen
1962 "Der Eiserne Vorhang - Mauer aus Ölfässern",
Rue Visconti, Paris, 1961-62
1964 "Ladenfronten"
1968 "5.600-Kubikmeter-Paket", documenta IV, Kassel,
1967-68
1968 "Verhüllter Brunnen und Turm", Spoleto
1968 Verhüllung eines öffentlichen Gebäudes:
"Verhüllte Kunsthalle Bern"
1969 "Verhüllte Küste", Little Bay,
Australien (siehe oben)
1969 "Verhülltes Museum of Contamporary Art",
Chicago
1970 Verhüllte Denkmäler, Mailand, 1969-70: "Verhülltes
Denkmal für Vittorio Emanuele", Piazza del Duomo,
und "Verhülltes Denkmal für Leonardo da Vinci",
Piazza della Scala
1972 "Talvorhang", Grand Hogback, Rifle, Colorado,
1970-72 (siehe oben)
1974 "Meeresfront", Newport, Rhode Island
1974 "Verhüllte römische Stadtmauer",
Rom, 1973-74
1976 "Laufender Zaun", Sonoma und Marin Counties,
Kalifornien, 1972-76 (siehe oben)
1978 "Verhüllte Parkwege", Loose Park, Kansas
City, 1977-78 (siehe oben)
1983 "Umsäumte Inseln", Biscayne Bay, Greater
Miami, Florida, 1980-83 (siehe oben)
1985 "Der verhüllte Pont Neuf", Paris, 1975-85
(siehe oben)
1991 "Die Schirme", Japan-USA, 1984-91 (siehe
oben)
1995 "Verhüllter Reichstag", Berlin, 1971-95
(siehe oben)
1998 "Verhüllte Bäume", Fondation Beyeler
und Berower Park, Riehen, 1997-98
1999 "Die Mauer, 13.000 Ölfässer", Gasometer,
Oberhausen, 1998-99
2005 "Die Tore", Central Park, New York City,
1979-2005 (siehe oben)